DREI DISKURSFORMATE IM ÜBERBLICK

VERRAT- „Es hängt ein Grauschleier über der Stadt“ (AT) 
Drei Diskursformate und ein Fragebogen, die die Nachwendezeit in den Neuen 
Bundesländern in Bezug auf das Wort Verrat und das Ministerium für 
Staatssicherheit bis in die Jetztzeit untersuchen.

„Zu spät glaubte ich erkannt zu haben, daß wenn man diese stinkende Decke, so wie ich es getan hatte, nur mal kurz lüftet, wendet, aufschüttelt, man nur selbst dazu beiträgt, die Lügen darunter  wieder zuzudecken.“ 
Irena Kukutz, 1994 

Das Projekt „VERRAT – Es hängt ein Grauschleier über der Stadt“ erforscht die 
gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen und Folgen des Systems des Ministeriums  für Staatssicherheit (MfS) im Kontext der Friedlichen Revolution 1989 und der Nachwendezeit. Im Zentrum steht das Spannungsfeld zwischen Verrat, Vertrauen und Erinnerungskultur – von  der DDR bis in die Gegenwart. Drei öffentliche Diskursveranstaltungen in Kooperation mit der  Brotfabrik Berlin sowie ein anonymer Fragebogen dienen als dialogische und dokumentarische  Grundlage. Die Formate verbinden Schauspiel, politische Bildung und moderierte Partizipation. Expert:innen, Zeitzeug:innen und Interessierte treten in den Austausch – multiperspektivisch, kreativ, zugänglich.

FRAGEBOGEN ALS DISKURSIVE  GRUNDLAGE

Ein wesentliches Element des Projekts ist ein anonymer Fragebogen, der an Zeitzeug:innen, Betroffene und Interessierte verteilt wird. Hier finden Sie einen Link. Die gesammelten Antworten dienen als Ausgangspunkt für die Diskursveranstaltungen. Die darin aufgeworfenen Fragen – nach Schuld, Vergebung, Identität und Aufarbeitung – werden gemeinsam reflektiert und weitergedacht.  


DISKURSFORMATE:                                                                FRAGE NACH VERRAT UND VERTRAUEN

Ein zentraler Bestandteil des geschilderten Gesamtprojektes sind die öffentlichen
Diskursveranstaltungen die sich mit den vielschichtigen Aspekten von Verrat, Vertrauen und Erinnerungskultur auseinandersetzen. In Kooperation mit der Brotfabrik fanden drei Veranstaltungen statt, die unterschiedliche Perspektiven auf die gesellschaftlichen Folgen der DDR-Vergangenheit eröffnen. Sie laden Wissenschaftler: innen, Historiker:innen und Zeitzeug:innen ein, um über persönliche Erfahrungen, historische Entwicklungen und gegenwärtige Herausforderungen ins Gespräch zu kommen. Dabei greifen die Diskurse zentrale Fragen der Inszenierung auf und reflektieren Begriffe wie „Vaterlandstreue“, „Denunziation“ und „Gerechtigkeit“ im Kontext historischer wie aktueller gesellschaftlicher Prozesse. Sie stehen für sich als eigenständige Foren des
Austauschs und dienen später als Materialgrundlage für die künstlerische Auseinandersetzung. Die Diskursveranstaltungen können unabhängig vom Stück an verschiedenen Orten neu angesetzt oder fortgeführt werden, wobei auf jeweils lokale Besonderheiten eingegangen werden muss. Neben klassischen Gesprächsformaten setzen die Veranstaltungen bewusst auf Teilhabe und Interaktion. Durch spielerische Elemente, performative Interventionen und offene Diskussionsrunden wird das Publikum aktiv in den Prozess einbezogen. Die Anwesenden werden eingeladen, sich mit den Themen nicht nur intellektuell, sondern auch emotional und kreativ auseinanderzusetzen.

THEMENSCHWERPUNKTE DER VERANSTALTUNGEN:

1. Ausgleich und Gerechtigkeit – Täter:innen und Opfer/ 21. September 2025

Welche Modelle der Vergangenheitsbewältigung gibt es international? Ist ein echter Ausgleich zwischen Täter:innen und Opfern möglich? Wer sind die Opfer – und von was? Wie sah das Menschenbild des MfS aus, und welche Nachwirkungen hat es bis heute? Das Format kombiniert Schauspiel, politische Bildung und moderierte Partizipation. Zwei Darstellerinnen bringen authentische Stimmen aus den Fragebögen szenisch auf die Bühne und verdichten so individuelle Perspektiven auf Vertrauen, Verrat und Aufarbeitung. In moderierten Gesprächsformaten, Ritualen des
Zuhörens und gemeinsamen Reflexionsrunden entwickeln die Teilnehmenden eigene Zugänge zu historischen Erfahrungen – insbesondere zur DDR- Vergangenheit – und setzen sich mit Konzepten wie Restorative Justice auseinander.

DARSTELLER:INNEN: 
Alexandra Finder, Stefan Kreißig und Juliane Meckert führen durch die Veranstaltung

Die Teilnehmenden:
 special guest Du & Du und Du!

Expertise: 
Restorative Justice:  Elisabeth Gliesche,  Traumasensible Körperarbeit: Esther Geyer

Bühne: 
Katrin Wittig und Philine Stich  

Sound und Musik: 
Alexis  Ludwig

Grafik: pegman graphics

2. Vertrauen und Macht – Die Sehnsucht nach dem starken Staat/ 3.Oktober 2025

Während die DDR-Führung ihren Bürger:innen misstraute, existierte gleichzeitig eine tiefe Sehnsucht nach Stabilität und staatlicher Führung. Wie hängt dieses Paradox mit der Wiedervereinigung und dem Verschwinden der Bürgerbewegung von 1989 zusammen?  Hängt das zusammen? Welche Parallelen lassen sich zu heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen ziehen? In Form von inszenierten Debatten und performativen Reflexionen können sich die Teilnehmenden aktiv mit diesen Fragen auseinandersetzen. In diesem Format geht es um das ambivalente Verhältnis vieler Ostdeutscher zu staatlicher Autorität. Welche Rolle spielen die Erfahrungen von Kontrolle, Überwachung und Bevormundung im Verhältnis zum heutigen Staat? Wie entsteht das Bedürfnis nach „Sicherheit durch Kontrolle“?

DARSTELLER:INNEN: 
Alexandra Finder, Stefan Kreißig und Juliane Meckert führen durch die Veranstaltung

Die Teilnehmenden:
special guest Du & Du und Du!

Expertise: 
Traumasensible Körperarbeit: Kathleen Bredenbeck

Bühne: 
Katrin Wittig und Philine Stich  

Sound und Musik: 
Alexis  Ludwig und Key Pankonin

Grafik: pegman graphics

3. Demütigung und Identität – Ostdeutschland zwischen 1962 und heute 2.11.2025 

Die DDR-Geschichte ist auch eine Geschichte von Demütigung – durch das Regime, aber auch durch den abrupten Systemwechsel nach 1989. Wie wirkt dieses Gefühl der Entwertung bis heute fort? Welche Narrative haben sich über den Osten Deutschlands verfestigt, und wie beeinflussen sie aktuelle gesellschaftliche und politische Debatten? Mit Hilfe szenischer Interventionen und dokumentarischer Theateransätze wird die persönliche und gesellschaftliche Dimension dieses Themas greifbar gemacht. Hier soll beleuchtet werden, wie sich Erfahrungen von Demütigung – sei es durch staatliche Repression, Entwertung der Lebensleistung nach der Wende oder durch gesellschaftliche Stigmatisierung – in persönliche und kollektive Identitäten einschreiben. Wie werden diese Erfahrungen innerhalb von Familien weitergegeben? Welche Narrative prägen das Selbstbild und das Fremdbild Ostdeutschlands heute?

DARSTELLER:INNEN: 
Alexandra Finder, Stefan Kreißig und Juliane Meckert führen durch die Veranstaltung

Die Teilnehmenden:
special guest Du & Du und Du!

Expertise: 
Traumasensible Körperarbeit: Kathleen Bredenbeck
Historikerin : Mandy Tröger

Bühne: 
Katrin Wittig und Philine Stich  

Sound und Musik: 
Alexis  Ludwig, Hans Narva, Key Pankonin

Grafik: pegman graphics

Die Veranstaltungen bieten Raum für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ihren Nachwirkungen. Sie regen zur Reflexion über die Mechanismen an, die autoritäre Strukturen ermöglichen, und schaffen Verknüpfungen zu heutigen politischen Entwicklungen. Gleichzeitig ermöglichen sie einen offenen Dialog zwischen verschiedenen Generationen und Perspektiven – ein Dialog, der gerade jetzt, mehr als 36 Jahre nach der Wende, von besonderer Bedeutung ist. Durch partizipative Spielformate, werden die Besucher:innen nicht nur zu Zuhörenden, sondern zu aktiven Mitgestaltenden eines offenen Dialogs. Gleichzeitig sind die Veranstaltungen durch Musik und szenische Interventionen gerahmt und laden zum Nachdenken, reflektieren und Kulturgenuss ein.

Wir danken sehr herzlich unseren Förderern ohne die die Veranstaltungen nicht möglich geswesen wären: 

VERRAT (AT)

„ES HÄNGT EIN GRAUSCHLEIER ÜBER DER STADT“ 

Ein performativ-dokumentarisches Langzeitprojekt zu Verrat, Vertrauen und den Nachwirkungen der DDR-Staatssicherheit bis in die Gegenwart.